Two And A Half Men: Crew wird für Ausfall entschädigt

Warner Bros will sich um die eigentlich Leidtragenden des Skandals um Charlie Sheen kümmern: Die Crew der Sitcom Two and a Half Men. Das Studio hat erklärt, die Gehälter der Mitarbeiter für vier Folgen weiterzubezahlen. Dabei handelt es sich um die vier Folgen, die wegen der Entscheidung von Warner und CBS ausfallen. Studio und Sender hatten am Donnerstag nach Sheens Ausfällen im Radio die vorübergehende Einstellung der Serie bis zum Ende der Season beschlossen.
Laut TMZ wird sich die Summe der Zahlungen von Warner Bros auf etwa zwei Millionen Dollar belaufen.

In der Talkshow von Piers Morgan auf CNN feierte Charlie Sheen die Entscheidung des Studios als Erfolg seiner öffentlichen Stellungnahmen zu dem Thema. Allerdings erklärte er, dass er nicht aufgeben werde, bis die Crew für alle acht Folgen entschädigt werde. Das würde die Folgen einschließen, die durch Sheens Entzug in den letzten Wochen nicht gedreht werden konnten. Danach wolle er sich um seine Kollegen Jon Cryer und Angus T. Jones kümmern. Danach um seine eigene Bezahlung.
Ein Sprecher von Warner hat inzwischen laut The Hollywood Reporter zurückgewiesen, dass die Entscheidung des Studios irgend etwas mit Sheens Einlassungen zu tun gehabt habe.

Deadline Hollywood berichtet, dass es gerade der von Sheen so dämonisierte 'Men'-Produzent Chuck Lorre gewesen sei, der sich hinter den Kulissen für die Entschädigung der Crew eingesetzt habe.
Wie bereits in der Vergangenheit werden einige Mitarbeiter wohl auch bei Mike & Molly und The Big Bang Theory, den beiden anderen Sitcoms von Lorre, unterkommen. Außerdem kommt der Abbruch der 'Men'-Dreharbeiten zu einem vergleichsweise günstigen Zeitpunkt: Da aktuell Pilot Season in den USA ist, können die meisten Crew-Mitglieder darauf hoffen, schnell bei anderen Produktionen beschäftigt zu werden.

Im Abspann von Mike & Molly hat sich Lorre am Montagabend auf einer seiner mittlerweile berühmt-berüchtigten Vanity Cards zu der Kontroverse geäußert - wenn auch nicht in der Klarheit, die sich viele gewünscht hätten. Dabei fängt die Einleitung noch vielversprechend an: 'Ich weiß, dass ich unter einigem Druck stehe, auf bestimmte Aussagen zu antworten, die über mich kürzlich gemacht wurden. Was folgt, sind meine unzensierten Gedanken. Ich hoffe, das wird alle Spekulationen beenden.'

Was tatsächlich folgt, ist jedoch mehr eine philosophische Abhandlung darüber, wie es überhaupt zu Drogen- und Alkoholsucht kommt: 'Das Bewusstsein kreiert die Illusion der Vereinzelung, das falsche Gefühl, von anderen abgesondert zu sein. Ich denke, also bin ich allein.' Lorre sieht in diesem existenziellen Missverständnis die Triebfeder für den neurotischen Impuls, sein Bewusstsein zu verdunkeln: 'Das erklärt das Paradox unserer Kultur, welche das Ego feiert, während sie gleichzeitig seine Zerstörung mit Alkohol und Drogen fördert.'
Lorre beschließt seine Ausführungen mit dem rätselhaften Satz: 'Der Fall in Ungnade, er ist tatsächlich ein Sprint in Ungnade. Oder vielleicht treffender: 'Scheiß auf Gnade, ich bin so was von weg hier.' Noch Fragen?'

Deadline spekuliert, dass die häufige Erwähnung von 'Grace' (also Gnade) auf die Sitcom Grace Under Fire verweisen könnte. Das klingt nicht sonderlich wahrscheinlich, erinnert aber daran, dass die gegenwärtige Situation für Lorre nichts Neues ist: Bereits in 'Grace' hatte er es mit einer suchtkranken Hauptdarstellerin (Brett Butler) zu tun. Und schon damals musste die Serie schließlich - trotz hervorragender Einschaltquoten - eingestellt werden.

In seinem inzwischen siebten (?) Interview seit Donnerstag erklärte Charlie Sheen unterdessen auf CNN, dass seine Bemerkung, für eine zehnte Staffel von Two and a Half Men drei Millionen Dollar pro Folge haben zu wollen, ein Scherz gewesen sei: 'Das ist alles verhandelbar. Aber das macht man nicht im Fernsehen.'
Sheen beklagte sich darüber, dass niemand - weder Chuck Lorre noch Les Moonves - versucht habe, ihn anzurufen. Darüber, dass er versucht hätte, nach seinen mit Beleidigungen gespickten Interviews der letzten Tage mit den beiden in Kontakt zu treten (außer über das Fernsehen), ist derweil nichts bekannt.

Dass seine Aussagen vom Donnerstag als 'grenzwertig antisemitisch' aufgefasst wurden, tut Sheen unterdessen leid: Er habe eine von Chuck Lorres Vanity Cards gelesen, auf der dieser von seinen jüdischen Wurzeln gesprochen habe. Daraufhin habe Sheen den Namen Chaim Levine verwendet, ohne zu überlegen, wie das verstanden werden könnte: 'Ich hätte darüber nachdenken sollen. Das war sehr dumm von mir.'
Das komplette Interview von Piers Morgan mit Charlie Sheen läuft Dienstagabend auch in Deutschland um 21 Uhr auf CNN International.

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