Sisterhood of the Gilmore Girlshood

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Der Fluch der “großen” Rolle: Womit man als Schauspieler bekannt wird, kann lange an einem haften bleiben. Auch zwei Jahre nach dem Ende ihrer Hit-Serie “Gilmore Girls” spielen Alexis Bledel und Lauren Graham dieselben alten Rollen - abgesehen vom charmanten Quasselwasser-Faktor.

Von Carolin Neumann

Egal, wo man Alexis Bledel in den letzten Jahren gesehen hat - leicht bekleidet in “Sin City” oder als Teil der unsäglichen “Sisterhood of the Traveling Pants” -, stets fragte man sich: Wo ist eigentlich Lauren Graham? Die beiden Schauspielerinnen bleiben Serienfans untrennbar verbunden, lange nachdem sie ihre Rollen als hyperaktives Mutter-Tochter-Gespann in “Gilmore Girls” an den Nagel gehängt haben.

TNT Serie zeigt aktuell die siebte und damit letzte Staffel von “Gilmore Girls”, einer Serie, die selbst die Sprachbegabtesten vor eine Herausforderung stellte. Nicht nur, weil die Autoren - offenbar allesamt schwer film-, musik- und literaturabhängig - Rory und Lorelai Gilmore geradezu sprudeln lassen vor popkulturellem Wissen. Vor allem rattern die beiden Charaktere in einer Geschwindigkeit ihre Ping-Pong-Dialoge runter, bei der wohl auch US-Zuschauer gelegentlich Schwierigkeiten hatten, ihrer Muttersprache zu folgen. Wie surreal diese Dinge die Mini-Familie Gilmore erscheinen lassen, wurde stets auf der Metaebene gespiegelt, wo unter anderem Scott Patterson als Luke den Gesichtsausdruck völliger Gilmoreverwirrtheit perfektionierte.

Zwei Jahre nach Serienende
jagte Bledel als strebsame College-Absolventin in der Coming-of-Age-Komödie “(Traum)Job gesucht” (Originaltitel: “Post Grad”, 2009) der perfekten ersten Anstellung hinterher. Nur, um am Ende festzustellen, dass nicht der Job darüber bestimmt, wie erwachsen sie ist, sondern sie selbst (und ihre von Zach Gilford aus “Friday Night Lights” gespielte Romanze). Es mag Zufall sein, dass sich die heute 29-Jährige diese Rolle ausgesucht hat, aber die Parallelen zur finalen Staffel der Serie, mit der sie bekannt wurde, sind unübersehbar

In Staffel sieben nämlich neigt sich die Yale-Ausbildung gen Ende. Anders als ihre Freundin Paris Geller (Liza Weil) hat Rory Gilmore sich selten von dem Wahn packen lassen, ihren Lebenslauf pausenlos zu optimieren, um nach dem College die bestmöglichen Chancen in der Berufswelt zu haben. Mit dem Abschluss unmittelbar vor Augen, ist sie zunächst sicher, ihren Weg gehen zu können - schließlich hat Lorelai ihre Tochter erzogen, nach nichts Geringerem als dem Höchsten zu streben. So löblich dieses Vertrauen auch ist, es hat Erwartungen geweckt, die nun bitter enttäuscht werden.

Während Paris Zusage nach Zusage bekommt, wird Rory auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Doch anders als Ryden, Bledels Figur in “(Traum)Job gesucht”, sieht Rory Gilmore privates Glück höchstens als Ergänzung, aber nicht als Alternative zur beruflichen Herausforderung, nach der sie all die Jahre gestrebt hat. Sehr zum Leid von Freund Logan (Matt Czuchry), der sich bereits die gemeinsame Zukunft ausgemalt hat.

Auch für Loralei Gilmore hält die finale Staffel privates Chaos bereit: Wohin wird ihre Beziehung mit Christopher (David Sutcliffe) führen, und gibt es vielleicht doch noch ein Happy End mit Luke? Es fällt auf, dass auch Lauren Graham dem Prinzip ihrer bekanntesten Rolle treu bleibt: In ihrer neuen Serie “Parenthood” spielt sie Sarah Braverman, eine erfolglosere, aber ebenso zerstreute Version von Lorelai. Eine sehenswerte Ensembleserie, in der Graham alleine betrachtet allerdings wirkt wie ein halbes Ganzes ohne ihren langjährigen Anhang Bledel.

Auf ewig verbunden werden mit der einen Rolle - ein Fluch, den schon ganz andere Schauspieler haben erleben müssen, von Macaulay “Kevin allein zu Haus” Culkin bis zu Bruce Willis, der sich auch über 20 Jahre nach “Stirb langsam” in der Rolle des allein gelassenen Gesetzeshüters zu gefallen scheint. Aber selbst wenn Alexis Bledel weiterhin den strebsamen Typen geben würde und sich Lauren Graham als Sarah Bravermann bis an ihr Lebensende von den Männern verwirren ließe - sie gefallen uns in diesen doch eher harmlosen Rollen und dürfen gerne so weitermachen. Eine zweite Rory und Lorelai Gilmore werden sie so oder so nicht mehr erschaffen können.

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