
Jahrelang bekamen die Zuschauer zwar nie sein Gesicht zu sehen, geliebt haben sie den Nachbarn in Home Improvement, der für Tim Taylor stets wichtige Ratschläge parat hatte, aber trotzdem. Erinnerungen an den Schauspieler Earl Hindman.
Ein großer Star ist Earl Hindman nie gewesen. Das wäre wahrscheinlich auch gegen das Naturell des passionierten Briefmarken- und Münzsammlers gewesen. Viel eher entsprach Hindman dem Typus des unermüdlichen Arbeiters, der auch dann Rollen annahm, wenn sie nicht gerade der schauspielerischen Eitelkeit zuträglich waren. Wie die des Nachbarn in „Hör mal wer da hämmert“, der zwar in jeder Folge dabei war und die Hauptfigur Tim Taylor (Tim Allen) mit seinen unerschöpflichen Tipps und Weisheiten versorgte, dabei jedoch nie sein Gesicht zeigen durfte. Meist durch einen hohen Zaun oder auch andere Hindernisse verborgen, gewährte erst die allerletzte Folge der Sitcom einen kurzen Blick auf Wilson, der in der Serie das weltmännisch und philosophisch gebildete Gegenstück zu dem bodenständigen und manchmal etwas begriffsstutzigen Heimwerker-König gab.
Für Hindman war das unerkannte Agieren allerdings auch eine große Chance. Denn anders wäre er wohl kaum an eine Rolle in einer Comedyserie gekommen. Mit seinem lang gezogenen, etwas gebogenen Gesicht war der hochgewachsene Schauspieler sonst eher für Parts in Kriminalfilmen und -serien abonniert. Nicht selten in der Rolle des Bösewichts. In dem Thriller „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ (1974), einem seiner ersten Kinofilme, spielte er zusammen mit Robert Shaw, Martin Balsam und Hector Elizondo das Gangster-Quartett, welches einen New Yorker U-Bahnzug in seine Gewalt bringt. Die Vier waren damit übrigens eine der Inspirationsquellen, die Quentin Tarantino nach eigenem Bekunden später für „Reservoir Dogs“ genutzt hat.
Hindman spielte immer wieder Gastrollen in Serien wie „Kojak“, „Spenser“ und „Law & Order“. In „The Equalizer“ hatte er eine wiederkehrende Rolle - diesmal als Polizist. Als ein solcher wurde er auch einem breiten Publikum im Tagesprogramm des US-Senders ABC bekannt. Von 1975 bis 1989 spielte Hindman in 459 Folgen der nachmittäglichen Soap Opera „Ryan's Hope“ die Rolle des Lieutenant Bob Reid. Die Serie war im irisch-amerikanischen Arbeitermilieu New Yorks angesiedelt - mit Hindman als gutmütigem Bruder der weiblichen Hauptfigur. Während er als Bob in „Ryan's Hope“ scheinbar niemals die Richtige finden konnte, war das im wirklichen Leben ganz anders: Seine Ehefrau Molly McGreevey war ebenfalls eine Zeitlang in der Serie mit dabei.
Als Hindman 1991 die Rolle des Wilson in „Hör mal wer da hämmert“ bekam, da war es für ihn das erste und einzige Mal, dass er in einer Sitcom mitgespielt hat. Dessen ungeachtet fügte er sich jedoch in das für Schauspieler oft nicht leicht zu bewältigende Setting einer vor Studiopublikum aufgenommenen Sitcom, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan.
Nach „Hör mal wer da hämmert“ stand Hindman nur noch in wenigen Produktionen, unter anderem einer Folge von „Law & Order: Criminal Intent“, vor der Kamera, was vor allem der Tatsache geschuldet war, dass Hindman an Lungenkrebs erkrankt war. 2003 konnte ihn das Publikum ein letztes Mal als Wilson hören. Für ein Reunion-Special der Sitcom begab sich Hindman als Voice-Over-Sprecher ans Mikrofon. Ende des gleichen Jahres mussten die Zuschauer jedoch die traurige Nachricht lesen, dass der Schauspieler im Alter von nur 61 Jahren gestorben war.
Earl Hindman war vielleicht nie ein Star. Und neben seinem Gesicht wird auch sein Name einem Großteil des Publikums unbekannt geblieben sein. Als der ebenso kluge wie verständnisvolle Nachbar Wilson wird er den Zuschauern jedoch nachhaltig im Gedächtnis verhaften.
Auf TNT Serie läuft Hör mal, wer da hämmert immer montags bis freitags um 16:50 Uhr.
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