
Seinfeld ist eine der erfolgreichsten US-Sitcoms der letzten Jahrzehnte. Trotzdem hat die Karriere der meisten Beteiligten im Anschluss einen Knick bekommen. Wie ist das möglich? Gibt es ihn wirklich - den Seinfeld-Fluch?
Es gibt Phänomene, die erscheinen auf den ersten Blick so rätselhaft, dass man geneigt sein könnte, eine übernatürliche Erklärung ins Auge zu fassen. Der sogenannte Seinfeld-Fluch ist das vielleicht prominenteste Beispiel dafür aus dem amerikanischen Showgeschäft. Obwohl Seinfeld zwischen 1990 und 1998 eine der zuschauerstärksten US-Sitcoms gewesen ist und ihren Machern durch den Verkauf der lukrativen Wiederholungsrechte einen dreistelligen (!) Millionenbetrag in die Kassen gespült hat, sind die Stars der Serie mit ihren Nachfolgeprojekten reihenweise auf die Nase gefallen. Was nicht bedeuten soll, dass es nicht auch Ausnahmen von der Regel gibt. Und natürlich Fälle, in denen sich die Betroffenen gar nicht erst erneut in das Karrieregetümmel gestürzt haben.
Einen Ratschlag, wie es - zumindest beruflich - weitergehen soll, hätten auch manche von Seinfelds Sitcom-Kollegen gebrauchen können. Besonders schlimm hat es Kramer-Darsteller Michael Richards erwischt. Nachdem seine eigene Serie, The Michael Richards Show, im Jahr 2000 nach nur wenigen Folgen aus akuter Quotenarmut eingestellt wurde, wandte auch Richards sich wieder dem Standup zu. Nach einem Skandal um rassistische Äußerungen bei einem Auftritt hängte er 2007 die Komiker-Karriere jedoch an den Nagel. Seine erste TV-Rolle nach dem Debakel mit seiner eigenen Serie hatte er erst 2009 beim Treffen des Seinfeld-Casts in Curb Your Enthusiasm, der Fake-Dokumentarserie über Seinfeld-Miterfinder Larry David.
Auch Jason Alexander, der Darsteller von George, hatte nach Seinfeld wenig berufliches Fortune: Zweimal versuchte er sich in einer neuen Sitcom, 2001 in Bob Patterson, 2004 in Listen Up. Zweimal war spätestens nach der ersten Staffel wieder Schluss. Seitdem backt Alexander kleinere Brötchen: er absolviert Gastauftritte in Serien, übernimmt Moderationen und leiht seine Stimme Zeichentrick-Charakteren. Erfolg hat Jason Alexander derweil auf einem ganz anderen Gebiet: nämlich als Poker-Spieler. Bei einem Turnier des TV-Senders Bravo hat der Schauspieler schon einmal - für einen guten Zweck - eine halbe Million Dollar gewonnen.
Wie die Karriere ihrer Kollegen schien auch Julia Louis-Dreyfus zunächst vom Seinfeld-Fluch betroffen: Ihr erstes größeres Nachfolgeprojekt, die Sitcom Watching Ellie, brachte es auf gerade einmal 17 Folgen. Die Darstellerin der Elaine scheint den Fluch jedoch mittlerweile besiegt zu haben: Ihre zweite Sitcom, The New Adventures of Old Christine, hat es in den USA nämlich auf stolze fünf Staffeln gebracht - und ihr einen Emmy als beste Hauptdarstellerin eingetragen. Ihr nächstes Projekt, eine Comedyserie für den Pay-TV-Sender HBO, steht bereits in den Startlöchern. Da kann man wohl nur Louis-Dreyfus selbst zitieren, die in ihrer Emmy-Dankesrede triumphierend verkündete: Curse this, baby!
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