
Anfang der 90er Jahre galten sie als die größten Talente im US-Seriengeschäft. Nach dem Erfolg von „Ausgerechnet Alaska“ sind sie jedoch praktisch von der Bildfläche verschwunden. Über das abrupte Karriere-Aus von Joshua Brand und John Falsey.
Was wäre, wenn J.J. Abrams von heute auf morgen aufhören würde, Serien oder Filme zu produzieren? Wenn es auf einmal keine neue Anwaltsserie von David E. Kelley gäbe? Und Joss Whedon nichts mehr von sich hören ließe? Klingt unvorstellbar. Aber genau das ist Mitte der 90er Jahre mit zwei der damals anerkanntesten Serienautoren geschehen. Seit mehr als einem Jahrzehnt sind Joshua Brand und John Falsey - zumindest, was ihre berufliche Laufbahn angeht - wie vom Erdboden verschluckt. Dabei gehörten sie zu den Wegbereitern des amerikanischen „Autorenfernsehens“. 1992 ernannte die Zeitschrift Entertainment Weekly sie zu „Entertainers of the Year“ - als „beste Autoren-Produzenten, die im Fernsehen an einstündigen Serien arbeiten.“
Ihre Zusammenarbeit begann 1979 bei „The White Shadow“. Das war eine im High-School-Basketball angesiedelte Dramaserie, die damals auf CBS lief. Produziert wurde „The White Shadow“ von MTM, der Produktionsfirma von Mary Tyler Moore. MTM erlangte damals unter anderem dadurch Berühmtheit, dass alle Macht über die Serien des Unternehmens bei den Autoren lag. Das war zu dieser Zeit noch keine Selbstverständlichkeit. Zum besonderen „Hausstil“ von MTM gehörte, dass immer sehr figurenzentriert erzählt wurde. Diesen Stil führten auch Brand und Falsey fort. 1982 schufen sie - wiederum für MTM - die in den USA sehr erfolgreiche (und von Kritikern geschätzte) Krankenhausserie „Chefarzt Dr. Westphall“. Reibereien mit Produzent Bruce Paltrow führten jedoch dazu, dass sie sich vorzeitig von der Serie verabschiedeten und stattdessen Mitte der 80er für Steven Spielberg an „Unglaubliche Geschichten“ arbeiteten.
1990 ging die von Brand und Falsey geschaffene Dramedy „Ausgerechnet Alaska“ bei CBS an den Start. Ursprünglich hatte der Sender die Serie nur als „Füllmaterial“ für den Sommer eingeplant. Der große Erfolg bei Publikum und Kritikern führte jedoch dazu, dass die Serie auch in der regulären Season weitergeführt wurde. Parallel zu „Ausgerechnet Alaska“ schufen die beiden Autoren 1991 auch das - ebenfalls von den Kritikern geliebte, dafür aber von den Zuschauern verschmähte - Familiendrama „I'll Fly Away“ und 1992 die kurzlebige Krankenhausserie „Going to Extremes“.
Gut möglich, dass die beiden danach ausgebrannt waren. Denn nach dem Ende von „Ausgerechnet Alaska“, welches weitestgehend in die Verantwortung des späteren „The Sopranos“-Schöpfers David Chase fiel, war von Joshua Brand und John Falsey nicht mehr viel zu sehen. Brand betätigte sich sehr sporadisch noch als Regisseur (unter anderem bei „Die himmlische Joan“), Falsey legte 1999 ein kurzes Gastspiel als beratender Produzent von „Providence“ ein. Das war's auch schon.
Lediglich von Joshua Brand hört man inzwischen wieder etwas Neues: 2009 war er an der Entwicklung einer letztlich jedoch nicht realisierten Westernserie für den Kabelsender FX beteiligt. Gerade abgedreht wurde die Pilot-Präsentation der neuen Single-Camera Comedy „Circling the Drain“, die Brand für die neue Produktionsfirma des ehemaligen Disney-Chefs Michael Eisner geschrieben hat. Darin geht es um eine junge Reporterin, gespielt von Alessandra Torresani („Caprica“), die zum Schreiben von Nachrufen vergattert wird.
Sollte ein Sender an dem Projekt Gefallen finden, könnte also zumindest einer der „Ausgerechnet Alaska“-Schöpfer aus dem Karriere-Exil zurückkehren. Derzeit können wir die fünfte Staffel von „Northern Exposure“ tägliche bei TNT Serie sehen.
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